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Die Geschichte des Camping Wydeli wurde 1958 von Christian Eicher (1910 - 2001) selbst auf mehreren Seiten aufgeschrieben.


Seit alter Zeit hiess es im Volksmund das Wasser der Rothachen sei sehr gesund. Aus diesem Grunde befassten sich seit ungefähr dreissig Jahren fortschrittliche und weitsichtige Männer wie Herr Dr. Paul Schüpbach, Oberdiessbach, Herr Fritz Dummermuth, Brenzikofen, mein Vater Christian Eicher und andere mehr mit dem Gedanken, an ihren idyllischen Ufern eine Badeanstalt zu bauen. Die damaligen Krisenjahre, die politischen Spannungen vor dem 2. Weltkrieg und vielleicht auch das fortgeschrittene Alter der Genannten hielten Sie von der Verwirklichung ihrer Pläne ab. Am 24. Juli 1939 starb mein Vater, bald darauf brach der Krieg aus und die übrigen Männer waren plötzlich mit dringenderen Aufgaben beschäftigt.


Der Gedanke dieser Männer liess mir aber keine Ruhe. In meiner Urlaubszeit während des Aktivdienstes und auch später begab ich mich an warmen Sonntagen immer wieder zum Baden nach Brenzikofen an die Rothachen.

Am 1. Juni 1950 pachtete ich von der Gemeinde Brenzikofen für 50 Jahre nördlich des Bahnüberganges der EBT am rechten Ufer der Rothachen das so genannte Wydeli, eine romantische Wildnis bestehend aus allerlei Stauden und Gehölz. Die Fläche betrug 16 Aren und als einmaligen Pachtzins bezahlte ich Fr. 1000.-- in bar. Für mich begann eine dornenvolle (Berberitzen!), mühsame, aber interessante Freizeitarbeit.


Seit der Übernahme der Pacht verging wohl kein Samstagnachmittag, und dies Sommer und Winter, an dem ich nicht im Wydeli an der Arbeit zu sehen gewesen wäre. Ich begann mit Roden. Die Stauden und Dornen verbrannte ich laufend. Das festere Holz musste ich der Gemeinde Brenzikofen für das Augustfeuer 1951 zur Verfügung stellen, was getreulich geschah. Nach der Meinung der vaterländisch gesinnten Brenzikofner, hätte ich es noch an Ort und Stelle führen sollen! Dies schien mir aber des Guten zu viel. Ab und zu erhielt ich liebe Helfer, denen ich jeweils ein kräftiges Znüni in Form von Tee, Wein, Brot und Käse servierte und mit einer weiteren Anerkennung Freude machte. Nicht selten ging es ziemlich hart aber fröhlich zu.


Durch die andauernde Beschäftigung reiften in mir Pläne zur Gestaltung des Bades. Ein Bassin musste her. Ich begann mit der Ausgrabung, stellte aber dann doch zur Schonung meiner Kräfte einen Trax an, der den restlichen Aushub in 1 1/2 Tagen besorgte. Nur mit grösster Anstrengung konnte die Zu- und Ableitung erstellt werden, da es ein festes Wurzelwerk zu durchbrechen galt, und bei der Fassungsleitung infolge "lebendigen Grundes" die Röhren nur Meter um Meter gelegt werden konnten. Die Betonierung des Bassins besorgte Baumeister Hs. Huber, Brenzikofen, was mich das wohl nennenswerte Sümmchen von Fr. 14'000.-- kostete.

Die Anlage entwickelte sich derart erfreulich, dass ich das Bedürfnis empfand, sie jederzeit aus sicherem Port betrachten zu können. Der Entschluss zum Chaletbau wurde bereits 1951 gefasst und das einstöckige Chalet mit 3 Stübchen, 1 Küche und einem Weinkeller erstellt. Er trägt auf der Vorderseite die Jahrzahl 1950, das Datum des Baubeginnes der Anlage.


Das Bad stellte ich schon 1952 der Öffentlichkeit zur Verfügung. Den Umkleideraum bildeten an Baumstämmen befestigte Jutetücher, drei Heuheinzen dienten als ideale Kleiderhaken und die Toilettenanlage bestand aus einem wettergebräunten Baulatrinen Häuschen mit Klosett. im Jahre 1953 baute ich dann einen 150 Platz grossen, nach Geschlechtern getrennten Ankleideraum mit Kasse und Kiosk. Im gleichen Jahr konnte ich die Anlage durch Erweiterung der Pacht nach Süden um ca. 10 Aren Terrain erweitern. Neue Rodungen und Ausplanierungen begannen.


Unter verschiedenen Malen gefährdeten Hochwasser der Rothachen mein junges sich entwickelndes Bad. Fast zu jeder Tages- und Nachtzeit musste ich dem Wasser wehren und sogar die Hilfe der Feuerwehr Brenzikofen anrufen. Den dienstbereiten Mannen servierte ich dann nach gebannter Gefahr im Chalet Wurst, Brot, Wein und klingende Münzen. Ich kaufte alte Eisenbahnschienen, alte Ölfässer, liess erstere auf 2 m abbrennen und letztere auf eine Höhe von 2/3 wegschweissen. Diese dienten als sehr gute und zweckmässige Verschalung der Zementsockel, die notabene bei 20 Grad unter Null gesetzt wurden. Dabei galt es oft zuerst auf einer Strecke von mehr als 100 Meter einen Grabengrundriss abzustecken um das fliessende Wasser wegleiten zu können.

Steine von Kandergrund, von Noflen, Mühledorf, vom Simmental, vom Thali in Schlosswil (Achsenbruch am Lastwagen 2. Januar 1954) und sogar vom Trottoirbau in Oberdiessbach 1957 und Käsereiumbau Herbligen verstärkten meine Abwehrmauern.

Zur Reinhaltung der Anlage erstellte ich dann auch einen Drahtgeflecht-Zaun. Um dem zunehmenden Besuch meines Bades auch in verkehrstechnischer Hinsicht zu genügen, entstand am Zufahrtsweg ein Velo und Autoparkplatz.


Bereits im Frühling 1952 erschien zu meiner Freude auf meine Einladung unser ehemaliger geschätzter Chefarzt Dr. Paul Schüpbach in meinem Bad. Es war für mich ein unvergesslicher Augenblick, den ehrwürdigen 80 jährigen Arzt durch meine Anlage begleiten zu dürfen. Sein grosses Erstaunen über das Freizeitwerk eines einzelnen Bürgers fasste er in den einfachen Worten "Bravo" zusammen und "Mein alter Wunsch ist Wirklichkeit geworden".


Die Modernisierung schreitet beständig fort. Dusche und Brunnen stehen als nächste grössere Arbeiten im Vordergrund. Ferner habe ich das Bad durch Terrainankauf ein drittes Mal erweitert, so dass das ganze Areal jetzt 33 Aren umfasst. Als Kuriosum stelle sich beim letzten Kauf heraus, dass fast die Hälfte "meines" Bodens dem Staat gehört und nicht den Brenzikofern, wie diese glaubten. Für das unverkäufliche Staatsareal bezahle ich einen Zins von Fr. 100.-- pro Jahr. Brenzikofen trat mir das Land gesamthaft für Fr. 1500.-- ab, wovon der bezahlte Zins von Fr. 1000.-- als Anzahlung verrechnet wurde. Die Besucherzahl in meinem Bad nimmt von Jahr zu Jahr zu.


Nicht mehr original Fassung:


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